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Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Was zehrt, was nährt?

Artikel im Radius Top Jobs, April 2021
14. April 2021 durch
Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Was zehrt, was nährt?
vival.institute Srl, Ruth Gschleier

Die aktuelle Krise beschert uns neue Herausforderungen im Arbeitsumfeld. Ein Blick auf arbeitsbezogene Ressourcen und Belastungen lohnt sich für Unternehmen und Mitarbeitende. Ein Beitrag von Ruth Gschleier.

Die Daten des ASTAT zeigen, dass sich das Gesundheitsverhalten der Südtiroler in den letzten zwölf Monaten verschlechtert hat: Die körperliche Betätigung ist gesunken, ungesunde Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum gestiegen. Dass sich dies auch auf die berufliche Leistungsfähigkeit und -Bereitschaft niederschlägt, ist naheliegend. Dabei sind die „Rezepte“ für Gesundheit und Wohlbefinden inzwischen allgemein bekannt: Eine ausgewogene und möglichst naturbelassene Ernährung stärkt Körper und Geist, Bewegung zerlegt Stresshormone, stärkt das Immunsystem und beugt Krankheiten vor - und das laut Experten schon bei von 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität oder 75 Minuten hoher Intensität pro Woche. Da gilt es nun, die nun kommende warme Jahreszeit zu nutzen und nach Möglichkeit die Kraft der Natur zu nutzen, um sich zu regenerieren und von der stressigen Zeit zu erholen.

Was zehrt?

Daneben ist das weit verbreitete Homeoffice Belastung und Entlastung zugleich: Wer nun keine langen Anfahrtswege mehr hat, freut sich auf zusätzliche Freizeit. Wer aber die Arbeit mit Kindern, beengten Wohnverhältnissen und Pflege von Angehörigen unter einen Hut bringen muss, aber kommt schnell an eigene Grenzen. Hier sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders gefordert: Veränderte Arbeits- und Tagesabläufe, Kommunikationswege und Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzte setzen neue Anforderungen an Eigendisziplin und Selbstorganisation. Schon 2019 gab es Hinweise darauf, dass Menschen im Homeoffice öfter erschöpft und psychisch belastet waren als die Kolleginnen und Kollegen im Büro. Und dies ist nicht nur auf die oft mangelhafte Arbeitsplatzgestaltung am heimischen Essenstisch zurückzuführen.

Was nährt?

Erschöpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nur bedingt leistungsfähig. Das wissen Unternehmen, von denen manche sogar Psychologen einsetzen, bezahlt von den jeweiligen Arbeitgebern. Die einfache Rechnung: Je früher eine persönliche Krise abgefangen werden kann, desto eher lässt sich ein längerer Ausfall vermeiden. Andere Unternehmen setzen bewusst auf die Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitszufriedenheit, indem sie zumindest einige der vielfältigen Interventionsmöglichkeiten umsetzen:

Anerkennung

Anerkennung heißt erkennen: Sehen, wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen, was sie brauchen und Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie gut arbeiten können. Das umschließt das konkrete Führungsverhalten über den persönlichen Kontakt genauso wie die gemeinsame Definition der Ziele, Mitsprache bei den Tätigkeiten und die Gestaltung des Arbeitsplatzes - möglichst auch im Homeoffice.

Entwicklung

Die individuelle Weiterentwicklung der Mitarbeitenden durch Aufstiegsperspektiven und Fortbildungen bieten interessante Anreize und Perspektiven und setzen auf den Erwerb der zusätzlich benötigten Kompetenzen wie Zeitmanagement, Resilienz und Gelassenheit. Wer daneben auch noch auf die konkreten Rahmenbedingungen der Mitarbeitenden achtet und auf sie eingeht, sichert sich Loyalität und Bindung.

Fairness

Angemessener Lohn und ein transparentes Gehaltsgefüge sorgen für Fairness in der Belegschaft. Aber auch gelebte Wertschätzung und ein respektvoller Umgang tragen zur Arbeitszufriedenheit wesentlich bei.

Flexibilität

Die Arbeitszeit gesund gestalten: Wer flexible Arbeitszeiten hat, leidet weniger unter Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit und körperlicher Erschöpfung.

Spielräume

Handlungs- und Entscheidungsspielräume in der Durchführung der Tätigkeiten und vielfältige Aufgaben schaffen jene Autonomie und Arbeitsdiversität, die nachweislich einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess haben. Oder anders ausgedrückt: Wer im richtigen Ausmaß gefordert wird, bleibt geistig und emotional deutlich länger fit.

Teamentwicklung

Gezielte Team- und Organisationsentwicklung stärkt Kollegialität und Zusammengehörigkeitsgefühl und trägt zu einem angenehmen Arbeitsklima bei, das Voraussetzung ist für gute Arbeit. Gerade in Krisenzeiten auf unterschiedliche Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen und auf konkrete Unterstützung zu setzen, fördert die gegenseitige Wertschätzung und stärkt den Teamgeist. Quasi als Nebeneffekt verwandeln Maßnahmen zur Teamentwicklung nicht selten Konflikte in Innovationstreiber und erschließen das Innovationspotential, das Krisen in der Regel in sich tragen.

Unternehmenskultur

Ein Führungsverhalten, das auf Vertrauen, Wertschätzung, Unterstützung, transparente Kommunikation setzt, fördert die Unternehmenskultur und eine gemeinsame Werteorientierung, die besonders in Veränderungsprozessen essenziell ist. Wer leistungsfähige und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter braucht, sollte diese informieren, in den Dialog treten, sie systematisch einbinden. Einbeziehen und dann tun lassen. Das heißt, als Vorgesetzte den Rahmen bieten und dann nicht mehr im Weg sein. Dann kann aus der Notwendigkeit der Distanzierung heraus ein neuer Schwung entstehen, der Entwicklungen ermöglicht: Wer als Unternehmen überleben will, muss schnell und wendig sein.

Nutzen für die Unternehmen

Interessanterweise sind Vertrauen und Wertschätzung, Handlungsspielraum, individuelle Weiterentwicklung und eine gute Team- und Unternehmenskultur - also all das, was die Arbeitszufriedenheit, die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft steigert - gerade jene Faktoren, die Voraussetzung sind für Schnelligkeit am Markt und die Zukunftsfähigkeit der Betriebe: Gesunde und eigenständig denkende Menschen, die zusammen arbeiten in selbst organisierten Teams, immer im Sinne des Unternehmens und auf die Unternehmensziele ausgerichtet. Agilität ist das neue Schlagwort. Oder Industrie 4.0. Aber das ist ein anderes Thema.


Ruth Gschleier

Ruth Gschleier ist Organisationsberaterin, Coach und Mediatorin. Als Gesellschafterin des vival.institute unterstützt sie Führungskräfte und Unternehmen in Hinblick auf LebensWerte Arbeit. Weitere Informationen unter: www.vival.institute


Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Was zehrt, was nährt?
vival.institute Srl, Ruth Gschleier 14. April 2021
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