Passa al contenuto

Schnell bauen – aber sicher!

Artikel im Radius Bauen & Sanieren, Februar 2022
14 febbraio 2022 di
Schnell bauen – aber sicher!
vival.institute Srl, Ruth Gschleier

Über die Kunst, sicher, schnell und qualitativ hochwertig zu bauen. Schnelligkeit, Qualität und Sicherheit am Bau erscheinen oft als unvereinbare Gegensätze. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, gefährlichem Stress am Bau vorzubeugen, was den Menschen und den Betrieben gleichermaßen zu Gute kommt.

Stress am Bau, wer kennt den nicht? Heute werden Bauten in einem Zeitrahmen verwirklicht, der noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Diese Leistung hat ihren Preis: Zeit- und Kostendruck, hohe fachliche Anforderungen, Konflikte zwischen den verschiedenen Akteuren aufgrund divergierender Meinungen und Sichtweisen – all das kann zu einem ungesunden Stress am Bau führen. Die Folge sind Fehler, Qualitäts- und Sicherheitsmängel, gesundheitlich belastete Arbeiter, überforderte Betriebe und Bauherren. Aber was heißt das genau?

Stress beeinträchtigt Menschen

Abgesehen von Nervosität, Unruhe, Gereiztheit und dem Gefühl der Überforderung führt übermäßiger Stress auch zu Leistungsveränderungen: Man arbeitet langsamer, vernachlässigt wichtige Aufgaben oder führt sie nicht mehr zu Ende, die Fehlerhäufigkeit und das Unfallrisiko steigt, die Effizienz sinkt: ein Teufelskreis, denn damit steigt wiederum das Stressniveau. Dies betrifft alle Berufsbilder auf dem Bau: Bauherr und Bauleiter, Sicherheitsbeauftragter und Handwerker sind gleichermaßen betroffen: Nicht selten sind sie auf verschiedenen Baustellen tätig, geraten in Streit untereinander aufgrund von unklaren, widersprüchlichen und unrealistischen Zielen oder unklaren Prioritäten müssen sich mit ungeplanten Lieferengpässen herumschlagen. Auf der individuellen Ebene sind somit neben der gesetzlich vorgesehenen Risikobewertung Schulungen für Mitarbeiter und Führungskräfte erforderlich, die anhand der konkreten Arbeitsanforderungen auf Maßnahmen aus Stressprävention (vorher), Stressbewältigung (während) und Stressabbau (nachher) setzt.

Stress wirkt sich auf die Zusammenarbeit aus

Wer ist schuld für die Terminverzögerungen oder Qualitätsmängel? Der Lieferant, der den Beton nicht rechtzeitig geliefert hat? Der Fliesenleger, der seine Arbeit aufgenommen hat, als der Beton noch nicht trocken war oder der Installateur, der das knappe Zeitfenster aufgrund anderer Aufträge nicht nutzen konnte? Die Suche nach dem Schuldigen ist genauso häufig wie nutzlos, denn es fördert Konflikte, Zeitverluste und unterminiert die gute Zusammenarbeit. Komplexer Aufgabenstellungen am Bau lassen sich mit verschiedenen Maßnahmen besser bewältigen.

Ein agiles Projektmanagement nähert sich schrittweise dem Projektziel

Im traditionelle Projektmanagement wird im Vorfeld das Projektergebnis mit allen Teilprojekten und Meilensteinen möglichst detailliert mit Bauplan, Reihenfolge der Arbeitsschritte und die dafür erforderlichen finanziellen wie zeitlichen Ressourcen festgelegt und Schritt für Schritt abgearbeitet. Aber wie oft klappt das heutzutage noch, zumal bei größeren und komplexeren Bauvorhaben? Wer rigide plant und den Zeitplan nur dann einhält, wenn alles klappt wie vorgesehen, läuft den Ereignissen ständig nach: Mikromanagement berücksichtigt weder die inzwischen alltäglichen Lieferverzögerungen noch abwesende Fachkräfte, und schon gar nicht Planungsänderungen durch veränderte Vorgaben des Bauherrn. Wer da gemäß einem hierarchischen Denken alle Entscheidungen nach oben delegiert, hat nur allzu schnell überforderte Entscheider als Flaschenhals am Bau. Dagegen arbeitet ein agiles Projektmanagement in iterativen (= sich wiederholende) Arbeitsschleifen z.B. mit Arbeitskreisen, die in kurzen Abständen den Arbeitsfortschritt überwachen: Am Montagmorgen treffen sich Bauherr, Bauleiter, Sicherheitskoordinator, Handwerker und erheben kurz die Arbeiten und Wochenplanung. Wer es als Bauherr oder Bauleiter schafft, diese Treffen online oder vor Ort gut zu moderieren, ist klar im Vorteil: Planungsabweichungen schnell und sachorientiert analysieren und gemeinsam gute Lösungen finden, beugt potentielle Konflikte schon im Entstehen vor und verringern das Risiko, dass aufgrund von Zeitdruck gepfuscht wird.

Die Team- und Fehlerkultur macht den Unterschied!

Diese Art der Umsetzung setzt einen offenen und respektvollen Umgang voraus, der oft erst aktiv und bewusst zu gestalten ist, besonders auch in Bezug auf Fehler oder Unzulänglichkeiten. Denn wer äußert sich schon gerne, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist? Doch nur dann, wenn Hindernisse und Fehler zeitnah und offen angesprochen werden, sind Lösungen möglich, die nicht zulasten von Qualität und Sicherheit am Bau gehen. Denn gepfuscht wird auch und vor allem dann, um Fehler zu verstecken und schnell weiter arbeiten zu können. Hier sind die Kommunikations- und Sozialkompetenzen der Akteure gefragt. Lösungsorientierte Gesprächsführung, Moderationskompetenz und Empathie helfen hier, die gemeinsame Aufgabe in den Mittelpunkt zu stellen und Projekte erfolgreich zu Ende zu führen.

Und die Klein- und Kleinstunternehmen?

Große Bauträger, Baufirmen und Handwerksbetriebe sind in ihrer Aufbau- und Ablauforganisation erfahrungsgemäß bereits gut aufgestellt. Sie haben in der Regel frühzeitig den Schulungsbedarf der Mitarbeitenden erkannt und setzen neben der Fachkompetenz auch auf die Kommunikations- und Sozialkompetenz besonders der koordinierenden Funktionen. Aber wie sieht es in mit den vielen Einzelunternehmen und kleinen Handwerksbetrieben aus, die in Südtirol einen großen Anteil ausmachen? Sie sind zunehmend gefordert, sich in mehr oder weniger straff geführten Netzwerken zu organisieren und dabei neben den fachlichen Qualifikationen auch Standards für das soziale Miteinander, also Kommunikationsstruktur, Entscheidungsprozesse, Führungs-, Fehler- und Sicherheits- und Teamkultur festzulegen und umzusetzen. Denn nur eine gute Zusammenarbeit kann am Bau die Qualität und Sicherheit bieten, die wir in Südtirol auch in Zukunft brauchen.


Zur Autorin

Ruth Gschleier ist Organisationsberaterin, Coach und Mediatorin. Als Gesellschafterin des vival.institute unterstützt sie Führungskräfte und Unternehmen im Hinblick auf LebensWerte ArbeitsWelten. Weitere Informationen unter: www.vival.institute


Schnell bauen – aber sicher!
vival.institute Srl, Ruth Gschleier 14 febbraio 2022
Condividi articolo